Eigentlich bin ich gern in der Natur unterwegs. Allerdings fehlt mir meistens dazu die Zeit. Job und meine Hobbies (die Musik und der Ford 78/79 Bronco) nehmen zu 90 Prozent meinen Tag ein. Ich freue mich dann jedes Mal, wenn mein Vater fragt: „Willst du mit mir in den Wald kommen?“. Das lasse ich mir nicht zweimal sagen. Natürlich nutze ich die Chance an die frische Luft zu kommen und Zeit mit meinem Dad zu verbringen. Alles andere ließ ich für diesen Moment liegen. Es gibt wichtigere Dinge!

    An diesem Samstag entschieden wir uns, eine längere Wanderung zu machen. Als verantwortlicher Förster war mein Vater in seinem Revier auch für die Wege verantwortlich. Diese mussten von Zeit zu Zeit abgegangen werden und kontrolliert werden. Wir hatten unsere Marsch-Route festgelegt und den Proviant eingepackt. Es konnte also losgehen.

    Bank mit Aussicht
    Bank mit Aussicht

    Zuerst folgte ein Anstieg. Wir mussten als erstes aus der Stadt in den Wald und auf die Berge kommen. Als wir den Gipfel erreicht hatten, musste ich bereits schnaufen und tief Luft holen. Aber schon allein für den Ausblick hatte es sich gelohnt, mitzukommen. Noch beim ersten Atemzug sagte ich mir innerlich: „Du musst wieder mehr Sport machen!“ Eine Freundin hatte mir angeboten, mit mir einen Yoga-Kurs zu besuchen. Das wollte ich als nächstes in Angriff nehmen. Heute hieß es aber erst einmal, die Schönheit der Natur zu genießen.

    Es war ein schöner Tag. Die Sonne stand am leichtbewölkten Himmel, der hellblau durch die leichten Wolken lugte. Es war also nicht zu heiß, aber es regnete auch nicht. Einfach perfekt für unsere Tour.

    Die Ruhe imWald war und ist einmalig. Fern ab von dem Trubel in der Stadt. Weit weg von Verkehr, Technik, Menschen und Stress. Ich hatte Gelegenheit die Ereignisse der letzten Woche an mir vorbeiziehen zu lassen und „runterzufahren“ (wie man so schön sagt). Ich stand mit beiden Beinen fest auf dem Boden und fühlte mich „geerdet“. Ein unbeschreibliches Gefühl. Wie stark uns doch die Natur macht! Ich tankte frische Energie für die neue Woche.

    Reh-Familie
    Reh-Familie

    Ich ging in mich und versuchte während des Gehens etwas zu meditieren. Dabei bemerkte ich erst gar nicht, wie eine Reh-Familie vor uns den Weg passierte. Erst mein Vater, der die ganze Zeit schweigend neben mir herlief, um mich nicht zu stören, machte mich auf die Waldtiere aufmerksam. Zum Glück hatte ich meine Kamera dabei. Die ich beim Anblick der Rehe sofort zückte, um ein paar gute Bilder zu erlangen. „Es ist eine Mutter mit ihren Kitzen“, erklärte mein Vater. Doch ich hörte nicht zu. War ich doch zu sehr damit beschäftigt, gute Bilder zu schießen. Mein Vater und ich verhielten sich ganz still, damit die Rehe nicht verschreckt wurden. Das gab mir genügend Zeit, die Tiere mit der Kamera aufzunehmen. Das würde mit Sicherheit ein paar schöne Bilder ergeben, die ich für die Gestaltung eines Kalenders, den ich meinem Vater schenken wollte, verwenden könnte.

    Es war uns eine Freude, zu sehen, wie liebevoll die Reh-Mama mit ihren Kindern umging. Mein Vater konnte nicht anders und nahm seine Tochter in den Arm. Ein schönes und inniges Gefühl durchfloss meinen Körper. Es waren genau diese Momente, wofür ich mein Leben liebte. Schade, dass sie so selten waren. Dafür genoss ich jede Sekunde umso mehr.

    Irgendwann hatte die Rehe dann doch genug und machten sich aus dem Staub.

    Mein Dad und ich gingen noch ein paar Schritte, bis wir zu unserem Rastpunkt kamen. Es war eine kleine Finnhütte mit einer Bank davor. Wir nahmen Platz und breiteten unsere Speisen auf einem kleinen karierten Tischtuch aus. Wir hatten an alles gedacht: frische Bäckerbrötchen, duftende Knackwürste aus der Fleischerei unseres Vertrauens und gekochte Eier von glücklichen Hühnern. Die frische Luft hatte uns hungrig gemacht. Unseren Durst löschten wir mit einem Radler.

    Unser Blick schweifte in die Umgebung und wir kosteten diesen wunderbaren Moment aus.

    Bluetenpracht am Wegesrand
    Bluetenpracht am Wegesrand

    Dann appellierte mein Vater: „Auf, auf! Wir haben noch ein Stückchen Weg vor uns.“ Ich packte die Sachen zurück in den Rucksack. Machte noch ein Foto von uns beiden vor der Hütte zur Erinnerung und dann gingen wir weiter. Mein Dad machte sich hin und wieder Notizen, über den Zustand des Weges und notwendige Ausbesserungen. Ich hingegen sprang von links nach rechts und nahm mit der Nahaufnahme-Funktion meiner Kamera die Blütenpracht am Wegesrand auf. Ab und zu kam mir dabei auch ein Schmetterling oder anderes Insekt unter die Linse. Schon jetzt war ich auf das Ergebnis der Aufnahmen gespannt.

    An den Aussichtspunkten, an denen wir entlang kamen, fotografierte ich die Umgebung. Der Blick ins Land mit seinen unendlichen Weiten faszinierte mich immer wieder. Da das Wetter mitspielte, hatten wir eine gute Weitsicht.

    Ich war der glücklichste Mensch auf Erden!

    Leider war unsere Wanderung auch diesmal einfach wieder viel zu schnell vorbei. Es dämmerte bereits, als wir nach Hause kamen. Ich dankte meinen Vater für den schönen Tag und wir verabschiedeten uns bis zum nächsten Wiedersehen.

    Ich machte mich schleunigst zu mir auf den Weg. Schließlich wollte ich keine Zeit verlieren und mir umgehend die Bilder auf meiner Kamera anschauen. Auf diese Weise konnte ich den Tag und unsere Wanderung noch einmal Revue passieren lassen.

     

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