YOGA

    Dieser Beitrag sollte nicht „Yoga“, sondern „Wie ich mich am besten verknote und die Auflösung des Knotens“ heißen.

    Wie ich auf meiner letzten Wanderung beschloss, wollte ich das Angebot meiner Freundin annehmen und mit ihr einen Yoga-Kurs besuchen. Hätte ich doch bereits vorher gewusst, worauf ich mich da einlasse. Ich hätte niemals einen Schritt in den Kursraum gemacht.

    Warum Frauen Sport treiben
    Warum Frauen Sport treiben

     

     

    Meine Motive waren klar:

     

     

    Und ich war damit nicht allein. Wie die Statistik beweist.

     

     

     

    Die Kursleiterin begrüßte uns freundlich und checkte im ersten Schritt, wer Neuling war oder wer sich bereits ausgiebig mit dem Thema Yoga beschäftigte. Ich konnte die 4 Buchstaben aufzählen, dann war aber auch schon Schluss. „Beginnen wir mit einer Übung, die jeder von euch mitmachen kann! Machen wir den Sonnengruß.“ Noch war ich zu Scherzen aufgelegt und grinste in mich hinein: „Hallo Sonne!“ Doch in Kürze sollte ich erfahren, dass der Sonnengruß einen Abfolge von 12 Haltungen ist, die ich in fließender Bewegung nacheinander einnehmen musste.

    „Der Sonnengruß belebt euren Körper. Durch ihn dehnen und strecken sich eure Sehnen und Muskeln. Ihr werdet merken wie die Lebensenergie eure Adern durchströmt. Euer Kreislauf und Stoffwechsel kommt in Schwung.“ Mit all diesen Worten versuchte uns die Yoga-Lehrerin zu motivieren. Damit wir nicht schon vor dem Beginn der ersten Übung schlapp machten. Und sie setzte noch eins obendrauf: „Gut gelaunt werdet ihr ins weitere Training starten.“

    Bis dato wusste die Lehrerin noch nicht, dass ich eine Bewegungslegasthenikerin war. Ich war so beweglich, wie ein Sack Mehl eben sein kann. Meine Arme schlackerten unästhetisch an meinem Körper umher. Sie wussten nicht so recht, wohin sie gehörten und baumelten im Weg. Meiner Freundin erging es nicht viel anders und so wurden wir bald „die ungelenkigen Yoga-Frösche“ von den anderen genannt.

    Yoga Froesche
    Yoga Frösche

     

    Immerhin hatten wir uns damit einen Namen gemacht. Wenn auch keinen guten. Er war von nun an unser Markenzeichen. Vielleicht werde ich ja auch meinen nächsten Block danach benennen?!

    Auf den Sonnengruß folgte der Sukhasana (zu Deutsch: Schneidersitz). Nachdem ich meine Beine straff übereinandergeschlagen und verkeilt hatte, stellte ich fest, dass das doch eine gar nicht allzu schlechte Position zum Gitarre spielen wäre. Meine Gitarre hätte ich bequem auf meinen Beinen ablegen können und die Hände hatte ich frei zum Spielen. Schade, dass ich sie in diesem Moment nicht bei mir hatte. Die anderen hätten sicherlich nichts gegen ein Ständchen zur Auflockerung einzuwenden gehabt.

    Den Kurs beendeten wir mit der Mudra – einer symbolischen Handgeste.

    Ich war froh, als ich in der Umkleidekabine meine Sachen tauschen konnte. Mein Pulli war mir dann doch lieber als die Yoga-Leggins. Meine Freundin und ich beschlossen, dass es für’s Erste genug mit dem Yoga sei. Wir fühlten uns bereits nach diesen 60 Minuten geheilt. Blockaden waren gelöst (vor allem die, wie peinlich es ist, vor anderen verrenkt dazustehen) und als Fazit fühlten wir uns schon viel, viel gesünder. Zukünftig würden wir ausgewogener leben. Als Ausgleich und zum Beginn unserer Ausgewogenheit strichen wir den Yoga-Kurs von unserer Aktivitäten-Liste und ersetzen ihn (vorerst nur durch die Idee) damit, autogenes Training machen zu wollen.

    Ich verbeugte mich zum Abschluss noch einmal vor der Sonne und grüßte freundlich.

    Mit einem Grinsen im Gesicht verließ ich das Sportstudio. Yoga sei Dank weiß ich nun, dass das nicht mein Sport ist.

     

    Lagerfeuer mit Freunden

    Der Sommer war bereits vorangeschritten. Die Meteorologen hatten noch ein paar lauschige Nächte vorhergesagt. So beschlossen einige meiner Freunde und ich, zum Zelten zu fahren. Es gab einen kleinen Zeltplatz am See, gleich bei uns um die Ecke. Wir hatten dort schon einige schöne Stunden verbracht und wollten auch dieses Mal das gute Wetter nutzen. Mit Sack und Pack, d.h. Zelt samt Zubehör, Campingkocher, Grill, Stühlen und noch vielen weiteren Utensilien (Sie wissen ja, was wir Frauen so alles brauchen 😉 ) machte sich unsere Gruppe auf den Weg. Der Betreiber auf dem Campingplatz kannte uns bereits und hatte für uns unseren Stammplatz reserviert. Die Männer durften die Zelte aufschlagen, während wir Frauen uns auf die Suche nach Brennholz für unser Lagerfeuer machten.

    Lagerfeuer
    Lagerfeuer

    Auch Anna und Marcel waren dabei. Ich hatte die beiden auf einem Gitarrentreff kennengelernt.  Seither stehen wir in regem Kontakt und sehen uns immer mal wieder. Besonders von Marcel profotieren meine Gitarrenkünste. Er zeigt mir den ein oder anderen Kniff, den ich noch nicht beherrsche. Ich freute mich riesig, dass die beiden gekommen waren. Am abendlichen Lagerfeuer würden wir wieder gemeinsam in die Saiten hauen und auch die anderen begeistern.

    Als unser Lager hergerichtet war, hatten wir noch etwas Zeit. Wir schnappten uns unsere Badesachen und gingen zum See. Die Herren der Schöpfung mussten mal wieder den „Gockel“ markieren. Sie stürtzen sich ins kühle Nass und begannen vor unseren Augen ein Wettschwimmen. Da wir Damen Sie nicht entmutigen wollten, feuerten wir sie kräftig an. Wir jubelten und jauchzten ihnen zu. Das ließ Sie die Arme beim Kraulen noch schneller in das Wasser schlagen. Jan erreichte das Ufer als Erster. Dicht gefolgt von Michael und Marcel. Bei den beiden hätte nur ein Foto-Finish den Gewinner des 2. Platzes ausmachen können. Somit entschieden wir alle gemeinsam, dass sich die beiden die Silber-Position teilten. Auf diese Weise gab es keinen Verlierer. Der weibliche Part unserer Truppe steckte nur kurz die Zehen ins Wasser und besann sich sonst auf den angenehmen Teil, das Sonnen.

    Nachdem wir alle die Nase voll hatten und sich so langsam ein Hungergefühl in unserer Magengegend breit machte, gingen wir zu den Zelten zurück.

    Feuer machen mit Holz und Stein
    Feuer machen mit Holz und Stein

     

    Dort angekommen wett-eiferten die Männer darum, mit Stock und Stein Feuer zu machen.

    Als es ihnen gelungen war, konnten wir endlich an die Zubereitung des Abendessens denken.

     

     

     

    Grillgemuese
    Grillgemüse

     

    Für mich als Vegetarierin gab es Gemüse (Zucchini, Champignons und Tomaten) vom Grill und dazu leckeren Grillkäse.

     

     

    Die Grillkäse-Päckchen sind bei uns immer als erstes vergriffen. Daher musste ich mir meinen Anteil frühzeitig sichern. Wenn Ihr sie auch einmal nachmachen wollt, so geht’s:

    • Fetakäse würfeln oder bereits in Öl eingelegte Fetawürfel kaufen
    • je Päckchen ein ca. 15 x 15 cm Stück Alufolie zurechtlegen
    • auf die Alufolie jeweils einige Käsewürfel, Zwiebel, Tomaten, Peperoni, Oliven (je nach Belieben) geben
    • alles kräftig mit Salz und frisch gemahlenem Pfeffer würzen
    • mit Kräutern bestreuen und mit Öl beträufeln
    • Alu-Folie zu einem Päckchen verschließen und auf den Grill packen
    • immer mal wieder in die Päckchen lugen – wenn das Öl brodelt und die Zwiebeln glasig schimmern, ist alles gar und kann verzehrt werden

     

    Grillwurst
    Grillwurst

     

    Bei den Herren ging es nicht ohne Fleisch: Bratwürste, deftige Rostbrätel und Gehacktesklopse mussten es sein. Zudem gab es noch aufgespießte Grillwürstchen am Lagerfeuer. Ich hielt mich stattdessen eher an das Stockbrot. Welch ein Genuss!

     

     

     

    Als wir alle gesättigt waren und alles soweit wieder in Ordnung gebracht hatten, holten die Musiker unter uns ihre Instrumente hervor. Es gab mehrere Gitarren. Der Schlagzeuger aus Marcel’s Band, der ebenfalls mitgekommen war, gab uns den Takt auf seiner Cajón (= Kistentrommel) vor und wir anderen stimmten ein. Es waren die altbekannten Lagerfeuer-Lieder. „Country Roads“, „Mrs. Robinson“, aber auch deutsche Songs wie „Alt wie ein Baum“, „Welche Farbe hat die Welt“ oder auch „Sonne in der Nacht“ trällerten wir vor uns hin. Es war so schön. Während die einen Ihre Instrumente spielten, klatschten die anderen oder stampften mit dem Fuß. Wir alle sangen gemeinsam. Nicht immer die korrekten Töne. Aber darauf kam es ja auch nicht an.

    Sternenhimmel
    Sternenhimmel

    Als die Nacht hereinbrach und der Uhrzeiger die 22 Uhr-Marke passierte, mussten wir unsere musikalischen Ambitionen einstellen. Wir durften die „heilige“ Nachtruhe der anderen Besucher auf dem Campingplatz nicht stören. Wir legten Gitarren und Cajón beiseite.

    Unser Blick schweifte gen Himmel und wir begannen über die Sternbilder zu philosophieren. Hin und wieder kam eine Raumsonde am Himmel vorbei. „Die ISS“, riefen wir dann begeistert und überlegten, wie es wäre, einmal selbst im Weltraum zu sein. Es war eine dieser Nächte, in der es auch zahlreiche Sternschnuppen zu sehen geben sollte. Ich hatte mir bereits im Vorfeld meine Wünsche zurechtgelegt und hoffte, dass es genug herabfallende Sterne für all meine Träume gab. Dazu gehörten u.a. später einmal auf einer Ranch zu leben und eine berühmte Musikerin zu werden. Einige Sternschnuppen später, als die Wunschlisten aller abgearbeitet waren, schlüpften wir dann in unsere Schlafsäcke. Nach einem solchen Tag in der freien Natur und Unmengen frischer Luft schliefen wir alle erholt ein.

    Feuerstelle mit Kaffeetopf
    Feuerstelle mit Kaffeetopf

    Am nächsten Morgen wurden wir von dem Zwitschern der Vögel geweckt. Ich traute mich kaum mehr als meine Nase aus dem Schlafsack herauszustrecken. Der Morgentau und die kühle Luft luden nicht gerade zum Aufstehen ein. Doch dann drang frischer Kaffee-Duft durch den Zelteingang. Anna, unsere Lerche (= Frühaufsteherin), hatte bereits voller Elan Kaffee für alle gekocht. „Heraus aus den Federn! Die Sonne scheint hell!“, rief sie in jedes der Zelte und holte so auch den letzten Morgenmuffel aus seinem „Bett“.

    Nach dem Frühstück sah die Welt schon wieder ganz anders aus. Die „Schlitzaugen“ öffneten sich langsam und auch die Gespräche wurden reger.

    Auch heute zog es uns noch einmal an den See. Wir alle hatten Sensucht nach Meer. Für’s Erste reichte uns aber das geschlossene Binnengewässer. Hauptsache Wasser. Es war ein herrlicher Tag mit viel Sonnenschein, den wir bis auf’s Letzte gemeinsam genossen.

    Am Nachmittag hieß es dann auch schon wieder alles zusammenzupacken und die Heimreise anzutreten.

    In einem waren wir uns aber alle sicher: Das sollte nicht unser letztes Zelt-Abenteuer gewesen sein. „Und beim nächsten Mal fahren wir zum Zelten ans Meer!“

    Wanderung

    Eigentlich bin ich gern in der Natur unterwegs. Allerdings fehlt mir meistens dazu die Zeit. Job und meine Hobbies (die Musik und der Ford 78/79 Bronco) nehmen zu 90 Prozent meinen Tag ein. Ich freue mich dann jedes Mal, wenn mein Vater fragt: „Willst du mit mir in den Wald kommen?“. Das lasse ich mir nicht zweimal sagen. Natürlich nutze ich die Chance an die frische Luft zu kommen und Zeit mit meinem Dad zu verbringen. Alles andere ließ ich für diesen Moment liegen. Es gibt wichtigere Dinge!

    An diesem Samstag entschieden wir uns, eine längere Wanderung zu machen. Als verantwortlicher Förster war mein Vater in seinem Revier auch für die Wege verantwortlich. Diese mussten von Zeit zu Zeit abgegangen werden und kontrolliert werden. Wir hatten unsere Marsch-Route festgelegt und den Proviant eingepackt. Es konnte also losgehen.

    Bank mit Aussicht
    Bank mit Aussicht

    Zuerst folgte ein Anstieg. Wir mussten als erstes aus der Stadt in den Wald und auf die Berge kommen. Als wir den Gipfel erreicht hatten, musste ich bereits schnaufen und tief Luft holen. Aber schon allein für den Ausblick hatte es sich gelohnt, mitzukommen. Noch beim ersten Atemzug sagte ich mir innerlich: „Du musst wieder mehr Sport machen!“ Eine Freundin hatte mir angeboten, mit mir einen Yoga-Kurs zu besuchen. Das wollte ich als nächstes in Angriff nehmen. Heute hieß es aber erst einmal, die Schönheit der Natur zu genießen.

    Es war ein schöner Tag. Die Sonne stand am leichtbewölkten Himmel, der hellblau durch die leichten Wolken lugte. Es war also nicht zu heiß, aber es regnete auch nicht. Einfach perfekt für unsere Tour.

    Die Ruhe imWald war und ist einmalig. Fern ab von dem Trubel in der Stadt. Weit weg von Verkehr, Technik, Menschen und Stress. Ich hatte Gelegenheit die Ereignisse der letzten Woche an mir vorbeiziehen zu lassen und „runterzufahren“ (wie man so schön sagt). Ich stand mit beiden Beinen fest auf dem Boden und fühlte mich „geerdet“. Ein unbeschreibliches Gefühl. Wie stark uns doch die Natur macht! Ich tankte frische Energie für die neue Woche.

    Reh-Familie
    Reh-Familie

    Ich ging in mich und versuchte während des Gehens etwas zu meditieren. Dabei bemerkte ich erst gar nicht, wie eine Reh-Familie vor uns den Weg passierte. Erst mein Vater, der die ganze Zeit schweigend neben mir herlief, um mich nicht zu stören, machte mich auf die Waldtiere aufmerksam. Zum Glück hatte ich meine Kamera dabei. Die ich beim Anblick der Rehe sofort zückte, um ein paar gute Bilder zu erlangen. „Es ist eine Mutter mit ihren Kitzen“, erklärte mein Vater. Doch ich hörte nicht zu. War ich doch zu sehr damit beschäftigt, gute Bilder zu schießen. Mein Vater und ich verhielten sich ganz still, damit die Rehe nicht verschreckt wurden. Das gab mir genügend Zeit, die Tiere mit der Kamera aufzunehmen. Das würde mit Sicherheit ein paar schöne Bilder ergeben, die ich für die Gestaltung eines Kalenders, den ich meinem Vater schenken wollte, verwenden könnte.

    Es war uns eine Freude, zu sehen, wie liebevoll die Reh-Mama mit ihren Kindern umging. Mein Vater konnte nicht anders und nahm seine Tochter in den Arm. Ein schönes und inniges Gefühl durchfloss meinen Körper. Es waren genau diese Momente, wofür ich mein Leben liebte. Schade, dass sie so selten waren. Dafür genoss ich jede Sekunde umso mehr.

    Irgendwann hatte die Rehe dann doch genug und machten sich aus dem Staub.

    Mein Dad und ich gingen noch ein paar Schritte, bis wir zu unserem Rastpunkt kamen. Es war eine kleine Finnhütte mit einer Bank davor. Wir nahmen Platz und breiteten unsere Speisen auf einem kleinen karierten Tischtuch aus. Wir hatten an alles gedacht: frische Bäckerbrötchen, duftende Knackwürste aus der Fleischerei unseres Vertrauens und gekochte Eier von glücklichen Hühnern. Die frische Luft hatte uns hungrig gemacht. Unseren Durst löschten wir mit einem Radler.

    Unser Blick schweifte in die Umgebung und wir kosteten diesen wunderbaren Moment aus.

    Bluetenpracht am Wegesrand
    Bluetenpracht am Wegesrand

    Dann appellierte mein Vater: „Auf, auf! Wir haben noch ein Stückchen Weg vor uns.“ Ich packte die Sachen zurück in den Rucksack. Machte noch ein Foto von uns beiden vor der Hütte zur Erinnerung und dann gingen wir weiter. Mein Dad machte sich hin und wieder Notizen, über den Zustand des Weges und notwendige Ausbesserungen. Ich hingegen sprang von links nach rechts und nahm mit der Nahaufnahme-Funktion meiner Kamera die Blütenpracht am Wegesrand auf. Ab und zu kam mir dabei auch ein Schmetterling oder anderes Insekt unter die Linse. Schon jetzt war ich auf das Ergebnis der Aufnahmen gespannt.

    An den Aussichtspunkten, an denen wir entlang kamen, fotografierte ich die Umgebung. Der Blick ins Land mit seinen unendlichen Weiten faszinierte mich immer wieder. Da das Wetter mitspielte, hatten wir eine gute Weitsicht.

    Ich war der glücklichste Mensch auf Erden!

    Leider war unsere Wanderung auch diesmal einfach wieder viel zu schnell vorbei. Es dämmerte bereits, als wir nach Hause kamen. Ich dankte meinen Vater für den schönen Tag und wir verabschiedeten uns bis zum nächsten Wiedersehen.

    Ich machte mich schleunigst zu mir auf den Weg. Schließlich wollte ich keine Zeit verlieren und mir umgehend die Bilder auf meiner Kamera anschauen. Auf diese Weise konnte ich den Tag und unsere Wanderung noch einmal Revue passieren lassen.

     

    Autoputztag

    Wer ist ein guter Autofahrer? Oder besser: Was macht einen guten Autofahrer aus? Ich selbst schätze meine Fahrkünste nicht als allzu überragend ein. Aber sie sind zumindest ganz solide. Es reicht in jedem Fall, um von A nach B zu kommen. Durch Stadt und Land zu cruisen. Dabei das Gefühl von Freiheit zu genießen.

    Und in welchem Fahrzeug lässt man sich lieber den Fahrtwind durch die Haare wehen als in einem Ford 78/79 Bronco?!

    Ford Bronco
    Ford Bronco

    Natürlich ist der Offroader eher etwas für Wald und Feld und weniger für die Stadt geeignet. Aber ich habe es auch hier schon mit der ein oder anderen Bordsteinkante aufgenommen. Mein Ford und ich, wir waren jedes Mal stärker ;o)

    Ein Auto dieser Art ist in Deutschland nicht ganz alltäglich. Der Bronco stammt aus den Staaten. Ursprünglich aus Michigan. Sein Markenzeichen ist der Vierradantrieb und die Geländeuntersetzung.

    Mein bestes Stück habe ich von meinem Dad übernommen. Er hatte ihn vor ein paar Jahren aus den USA importiert und nutze ihn für die anstehenden Arbeiten im Wald. Als Förster muss man schließlich auch auf unwegsamen Gelände mobil bleiben. Als er dann in die Jahre kam und für den Forst ausgedient hatte, habe ich die Gelegenheit genutzt. So ist er in meinen Besitz übergegangen. Seither habe ich ihn in liebevoller Pflege. Ab und zu darf dann auch mein Vater noch einmal eine Runde damit drehen. Aber nur neben mir auf dem Beifahrersitz. (Hihi!)

    Da es im Gelände nun einmal matschig ist, stand an diesem Wochenende nach dem Umhertouren auch noch das Putzen an. Ich wollte meinen Bronco ja noch ein paar Jahre fahren. Daher kam ich um die Reinigung nicht umhin. Zuerst wurden mit dem Kärcher vorsichtig die groben Schmutzansammlungen abgespült. Anschließend schäumte ich den Bronco mit kreisenden Bewegungen ein. Nach der Einwirkungszeit brauste ich den Schaum ab. Im Nachgang musste der Bronco noch eine Lage klares Wasser über sich ergehen lassen, bevor er in der Sonne trocknen durfte.

    Wassertropfen
    Wassertropfen

    Leider hinterlässt die Sonne unschöne Wasserflecken. Da mein Auto aber in vollem Glanz erstrahlen sollte, holte ich  meine Autopoliermaschine hervor. Ja, wer sein Fahrzeug wie ich liebt, der scheut auch nicht davor zurück, sonntags mit schwerem Gerät aufzufahren. Ich ließ die Polierscheibe vorsichtig über den Lack und das Chrom gleiten. Die hässlichen Wassertropfen verschwanden. Mein Bronco strahlte dafür Zentimeter um Zentimeter immer heller und glänzender.

    Nach getaner Arbeit bewunderte ich mein Werk. Mein Bronco sah aus wie neu. Er hätte frisch aus dem Werk sein können. Ihm fehlte nur noch die Schleife.

    Damit es von meiner Schwester nicht wieder hieß: „Außen hui, innen pfui!“, machte ich mich auch noch am Innenraum zu schaffen. Das Cockpit wurde von Staub befreit. Ich saugte den Fußraum und die Sitze. Sogar die Scheiben erhielten eine Runderneuerung, so dass die Sonne nun auch ins Wageninnere hindurchdringen konnte.

    Ich machte gedanklich den Vorher-Nachher-Vergleich und kam zur Erkenntnis, dass ich mich mit dem Wagen wieder auf der Straße sehen lassen konnte. Der grobe Schmutz war verschwunden und eines (in meinen Augen) der schönsten Autos kam zum Vorschein. Es war Liebe auf den ersten Blick und noch immer konnte ich das Kribbeln spüren. Seit Anfang an waren wir beide ein Herz und eine Seele.

    Der Bronco und ich hatten schon einiges zusammen erlebt. Wir sind durch Dünen am Strand gedüst. Haben die Räder das Meerwasser verdrängen lassen. Sind steinige Hänge hinauf- und hinabgefahren. Und wir haben Flüsse überquert. Als fahrbarer Untersatz ist mein Bronco der zuverlässigste Partner auf Erden. Wir beide würden uns nie im Stich lassen!

    Sollte ich es nicht schaffen, den Bronco bis zu seinem 25. Lebensjahr am Leben zu erhalten, um ihn dann als Oldtimer zulassen zu können, würde eine Welt für mich zusammenbrechen. Teilen wir beide doch so viele gemeinsame Erinnerungen. Von Reisen, endlosen Fahrten, gemeinsamer Zeit im Stau bei teils grausamer Musik aus dem Radio, wenn ich nicht selbst Gitarre spielte. Doch bei „Country Roads take me home“ und „Driving Home for Christmas“ wussten wir beide immer wohin uns unser Weg führt: nach Hause.

    Für den Fall, dass ich mich doch vom Ford 78/79 Bronco verabschieden muss, gibt es seit geraumer Zeit Hoffnung: Ford hat angekündigt 2020 den Ford Bronco in der 6. Generation auf den Markt zu bringen!